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Korrespondenz mit K. G.


K. G. am 17.11.2008

 

Hallo!

Vielen Dank für Ihre wirklich tolle, unentgeltliche Einleitung in die tonale Musik auf Ihrer Website. Ich glaube, ich habe nun endlich die Grundlagen der Harmonik begriffen. Nur noch zwei offene Fragen hätte ich, möglicherweise haben Sie die Lust und Zeit mir diese kurz zu beantworten.

1. So weit ich das verstanden habe, versucht man mit der harmonischen Formel die Töne eines Klangs mit so wenig Buchstaben wie möglich, aber so vielen Stricherl wie möglich (zumindest soviel wie der Klang Töne beinhaltet, aber manchmal auch mehr) anzuschreiben. Also zB. schreibt man bei der Tonika nur ein T und drei Stricherln, obwohl man auch noch S und D mit jeweils einem Stricherl anführen könnte. Aber den Klang c e g a in C-Dur (nur als theoretisches Beispiel, keine Ahnung ob der nach etwas klingt), würde man mit einem T und 3 Stricherln, so wie einem S mit 2 Stricherl anschreiben, also schreibt man das c hier als Stricherl zu dem T UND dem S, weil das S ja wegen dem a nicht weggelassen werden könnte.

So weit so gut, nur was ist, wenn man zB. eine Dominante hat, und zusätzlich einen Ton aus Tonika und Subdominante? Ich denke, dann schreibt man nur zwei Buchstaben an, aber welchen Stufe gibt man den Vorzug? Schreibt man dann D und T, oder D und S an? Also, einfach ausgedrückt, gibt es bei dem Anschreiben der Stufen eine Art Vorrangregel?

2. Wie steht es mit Klängen, deren Tonmaterial KEINER Tonart zuzuordnen ist? Kann man da im Rahmen der tonalen Musik irgendetwas analysieren? Sucht man dann zB. eine vorherrschende Tonart, aus der so wenige Töne des Klanges wie möglich herausfallen? Oder kann man einen Klang auch zwei Tonarten zuordnen, vielleicht wenn in einem Stück immer zwischen zwei Tonarten hin und her moduliert wird, und diese beiden am Höhepunkt in einem Klang vereint werden?

Es würde mich sehr freuen, wenn Sie mir vielleicht mit ein paar
Wörtern weiterhelfen könnten.

Gruß,

K. G.

 


Franz Sauter am 17.11.2008

Hallo,

 
freut mich, dass Sie meiner Website Klärendes entnehmen konnten.
 
1. Ungeachtet dessen, dass es womöglich noch prägnantere Darstellungen des harmonischen Sachverhalts geben mag, will die vorgeschlagene Formelschreibweise natürlich sachgemäß sein. Das heißt bei der Darstellung einer Tonika oder einer Dominante, dass nur 3 Bestandteile dargestellt werden, weil das Ohr keinen anderen Klang hört. Dass der Klang mit anderen Klängen gemeinsame Töne hat, ist nicht das, was man hört. Das Ohr hat keinen Anhaltpunkt einen Zusammenklang aus mehreren Konsonanzen (also eine Dissonanz) zu hören, wenn eine in sich runde Konsonanz erklingt. Ich habe das in meinem Buch das Trägheitsgesetz der harmonischen Wahrnehmung genannt. Umgekehrt, wenn dem Ohr Anhaltspunkte für eine Dissonanz vorliegen, ist ein gemeinsamer Ton wirklich Bestandteil beider hörbaren Klänge. Es gibt da keine Priorität und keinen Monopolanspruch eines Grundklangs auf den gemeinsamen Ton. Man hört zwei Klänge gleichzeitig, also muss man sich fragen können, welche Bestandteile welches Grundklangs vertreten sind. Die Anzahl der Striche entspricht in der Darstellung nicht der Anzahl der gehörten Töne, sondern der Bestandteile von Grundklängen. Zu beachten ist, dass das Verhältnis von Tonika, Dominante und Subdominante rückwirkend die Konsonanz seiner Komponenten definiert, dass es also auch Dissonanzen geben kann, die als Scheinkonsonanzen zu bestimmen sind. Siehe Stichwort Scheinkonsonanz.
 
Die resultierende Notationsweise würde ich so kennzeichnen: so wenig Buchstaben und Striche als möglich, so viel wie nötig und sinnvoll.
 
2. Klänge, die keiner Tonart angehören, soweit nicht ein Spielfehler erkennbar ist, der vom Ohr korrigiert wird, also bei erkennbarer Absicht, sind Disharmonien. Siehe Stichwort Disharmonie. Sie können nicht mit einer harmonischen Formel beschrieben werden, die Tonalität unterstellt. Ihre "Auflösung" besteht darin, dass überhaupt wieder tonale Verhältnisse eintreten. In der tonalen Musik werden sie daher nur vorübergehend gebraucht.
 
Die Modulation ist die Form, wie verschiedene (nämlich aufeinanderfolgende) Tonarten aufeinander bezogen werden. Dass das Ohr ein solches Verhältnis in einem Klang heraushören und genießen könne, erscheint mir unlogisch. Das Ohr müsste dann nicht nur unterscheiden zwischen tonalen und atonalen Verhältnissen, sondern auch zwischen dem Zusammenklang von 2, 3, 4 ... Tonarten, und Atonalität wäre eigentlich unmöglich. Das scheint mir nicht das zu sein, was man hört.
 
Gruß,
 
Franz Sauter
 
PS: ...

 


K. G. am 17.11.2008

 

Vielen Dank für die rasche Hilfe!

... 

Gruß


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