Franz Sauter Die tonale
Musik Anatomie der musikalischen Ästhetik, 144
S., geb., S 129, Euro 9,37 (Libri Books on
Demand, Hamburg)
Melodie,
Harmonie und Rhythmus, das sind die
Versatzstücke dessen, was wir als Musik
bezeichnen. Wenn es auch noch "schöne"
Musik sein soll, dann müssen diese
Versatzstücke bestimmten Kriterien gehorchen. Es
gibt, davon waren die Theoretiker stets
überzeugt, grundlegende Übereinkünfte zwischen
den Menschen. Das, was wir als "tonale
Musik" bezeichnen, also im wesentlichen die
ganze abendländische (und die mit ihr
assoziierte amerikanische, mittlerweile
tatsächlich weltumspannende) Musik baut auf klar
definierbaren Fundamenten.
Das hat zuletzt Paul Hindemith deutlich gemacht,
der eine in sich geschlossene Tonsatzlehre
publizierte, die den sogenannten
fortschrittlichen Geistern des 20. Jahrhunderts
zwar wie ein Frontalangriff auf ihre
anarchischen, angeblich allein
zukunftsträchtigen Vorstellungen von einer
Zertrümmerung der Tonalität und der Umerziehung
der menschlichen Hörgewohnheiten erschien. Aber
die Orientierung des Ohrs an den tatsächlich
natürlichen Gegebenheiten der Obertonreihe
konnte bis dato nicht ausgehebelt werden.
Darauf vertraut auch Franz Sauter, der den
Versuch wagt, eine knappe, klare und stringente
Erläuterung der natürlichen Zusammenhänge der
drei gern als getrennt dargelegten Grundbegriffe
Melodie, Harmonie, Rhythmus zu geben. Zwanzig
Jahre lang hat er sich mit den grundlegenden
Fragen des musikalischen Schönheitsbegriffs
befaßt. Das vorliegende Buch ist die Quintessenz
dieser Studien: Es entwickelt - leicht lesbar und
für alle halbwegs musikalischen Geister mühelos
nachvollziehbar - ausgehend von der
physikalischen Theorie der Konsonanz eine
zusammenhängende Dramaturgie des
Schönheitsempfindens; über die Frage der
Tonalität - wie (und ab wann) das Ohr sie
erkennt und zuordnen kann -, über die
Modulation, den Rhythmus - den Sauter vom
Gleichmaß der harmonischen Abfolgen ableitet -
bis hin zu einer Melodielehre, die in seltener
Knappheit und Klarheit die Abhängigkeit
melodischer von harmonischen Spannungen erklärt.
Der Bogen spannt sich bis zu Grundbegriffen
motivischer und kontrapunktischer Arbeit, durch
die höhere musikalische Formen erst zu bilden
sind.
Nicht nur daß Sauter mit liebgewordenen und
unreflektiert über Jahrhunderte verwendeten
Begriffen wie dem des "Leittons"
aufräumt, dürfte für Verwirrung, ja
Verstörung bei vielen Kollegen sorgen. Das wird
Sauter verkraften - denn sein Büchlein wird so
bald keinen Antipoden finden. Der Mühe, die
Thesen zu entkräften, hätte sich längst
unterziehen können, wer's wirklich besser
wüßte.
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