Online-Musiklexikon - Fachbegriffe der Musiktheorie mit Hörbeispielen

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Harmonie

Im engeren Sinn: Zusammenpassen von elementaren Klangformen und klanglichen Konstellationen. Bei der Harmonie kommt es darauf an, was warum zusammenpasst. Insofern kann man unterscheiden zwischen dem Zusammenpassen erstens von Tönen (Konsonanz), zweitens von Dur- und Mollklängen (Tonalität) und drittens von Tonarten (Modulation). Die Harmonik der tonalen Musik ist systematisch aufgebaut: Jede Grundform von Harmonie resultiert in einer Klanggestalt, die den Ausgangspunkt bildet für die nächste Form des Harmonierens.

Im weiteren, auch außermusikalischen Sinn heißt Harmonie ganz allgemein Zusammenpassen von wahrnehmbaren Dingen.

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Dur & Moll, Tongeschlecht

Mit den Attributen Dur und Moll werden Zusammenklänge, Tonarten und Tonleitern näher gekennzeichnet. Ausgangspunkt ist dabei die Unterscheidung von Dur- und Mollklang, die sich in ihren Grundformen durch die Anordnung ihrer Terzen unterscheiden: Der Durklang hat die kleine Terz (Schwingungsverhältnis 6:5) über der großen (5:4), der Mollklang umgekehrt. Wegen dieses Gegensatzes spricht man bei Dur und Moll von einem Tongeschlecht. Eine Durtonart hat einen Durklang, eine Molltonart einen Mollklang zur Tonika. Betrachtet man die Töne einer Tonart nach ihrer Tonhöhe geordnet, als Stufenverhältnisse, so erhält man entsprechend dem Tongeschlecht der Tonart eine Dur- oder Molltonleiter.

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Durklang, Grundton, Terz, Quinte

Ein Durklang besteht in seiner Grundform aus einer großen und einer darüber liegenden kleinen Terz, die sich zur Quinte ergänzen. Die Töne heißen Grundton, Terz (jetzt als Ton gemeint) und Quinte. Die Schwingungsverhältnisse können dem folgenden Beispiel entnommen werden:

Notenbild Dreiklang in A-Dur 

Die Frequenzverhältnisse in diesem Klang sind:

Quinte:

660 Hz : 440 Hz

3:2

Große Terz:

550 Hz : 440 Hz

5:4

Kleine Terz:

660 Hz : 550 Hz

6:5

Bezieht man die Teiltöne eines solchen Durklangs in die Betrachtung mit ein, so ergibt sich das folgende Bild, an dem sich das Zusammenpassen der Töne ablesen lässt, welches die Konsonanz des Durklangs ausmacht.

Klangspektrum eines Durdreiklangs

Der harmonische Unterschied zum Mollklang liegt in dieser Form des klanglichen Zusammenpassens.

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Mollklang

Ein Mollklang besteht in seiner Grundform aus einer kleinen und einer darüber liegenden großen Terz, die sich zur Quinte ergänzen. Die Töne heißen wie beim Durklang Grundton, Terz und Quinte. Die Schwingungsverhältnisse können dem folgenden Beispiel entnommen werden:

  Notenbild eines Molldreiklangs

Die Frequenzverhältnisse in diesem Klang sind:

Quinte:

660 Hz : 440 Hz

3:2

Große Terz:

660 Hz : 528 Hz

5:4

Kleine Terz:

528 Hz : 440 Hz

6:5

Bezieht man die Teiltöne eines solchen Mollklangs in die Betrachtung mit ein, so ergibt sich das folgende Bild, an dem sich das Zusammenpassen der Töne ablesen lässt, welches die Konsonanz des Mollklangs ausmacht.

Klangspektrum eines Molldreiklangs

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Konsonanz

Harmonie der Dur- und Mollklänge. Gewöhnlich werden die Schwingungsverhältnisse der zusammenklingenden Töne (2:1, 3:2, 5:4, 6:5) ganz unmittelbar für die Harmonie der Konsonanz verantwortlich gemacht und als Zahlenproportionen für harmonisch gehalten. Harmonie ist jedoch eine Form des klanglichen Zusammenpassens. Konsonanz ist insofern zunächst einmal ein unmittelbares Zusammenpassen der Töne. Dieses Zusammenpassen beruht auf der Klangeigenschaft der Töne, auf deren Zusammensetzung aus Teiltönen. Die noch immer weit verbreitete Vorstellung von den harmonischen Verhältnissen der Töne als einer "Nachahmung" der "natürlichen" Teiltonverhältnisse verlegt den Grund der Harmonie in die vergleichbaren Zahlenverhältnisse. Harmonie existiert jedoch nicht im Verhältnis der Teiltöne eines Tons, sondern in der Übereinstimmung der Teiltöne verschiedener Töne. Diesen Sachverhalt hat Heinrich Husmann als "Koinzidenztheorie der Konsonanz" ausgeführt.

Klangspektrum einer Quinte

Aufgrund der Umkehrbarkeit der Zusammenklänge, die auf der Konsonanz der Oktave beruht, sind auch die verschiedenen Formen der Dur- und Mollklänge harmonisch identisch und daher allesamt konsonant, so dass Konsonanz in einem weiteren Sinn nicht nur unmittelbares Harmonieren der Töne ist, sondern auch über die Konsonanz der Oktave modifizierte Konsonanz.

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Umkehrbarkeit, Oktave

Mit der Feststellung, dass Zusammenklänge umkehrbar sind (1613 von Campian erkannt), ist ausgedrückt, dass durch die Versetzung eines Tons um eine Oktave ein Klang nur seine Erscheinungsform ändert, nicht aber seinen harmonischen Charakter. Der Dreiklang a-c-e ist also mit dem Dreiklang c-e-a harmonisch identisch. Dieser Effekt beruht auf der Harmonie der Oktave, bei der jeder Teilton des oberen Tons mit jedem zweiten Teilton des unteren zusammenfällt.

Klangspektrum einer Oktave

Die Harmonie der Oktave ist von solcher Dominanz, dass sie nur unwesentlich zur harmonischen Differenzierung der Zusammenklänge beiträgt. Die Quarte e-a ist daher auch nur eine Umkehrung der Quinte a-e. Sie hat ihren Grundton oben, ist also die auf den Kopf gestellte Quinte. Das unmittelbare Harmonieren der Töne in der Quarte (4:3) tritt harmonisch zurück hinter der Harmonie der Quinte (3:2), die im Verein mit der Oktave (2:1) den harmonischen Charakter der Quarte prägt. Auf dieser Grundlage sind Töne im Oktavverhältnis prinzipiell harmonisch identisch, und ihre gleiche Benennung ist nur der passende Ausdruck für diesen Sachverhalt.

Demonstration der harmonischen Identität

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